Bilanz – mein Leben in einem kapitalistischen Land – Teil 13

So erlebe ich mein Heimatland im Jahr 2016 aktuell

Auch wenn Bilanz eigentlich ein Rückblick auf mein ganzes Leben sein soll und der nächste Teil davon sicherlich auch wieder eine Zusammenfassung eines Lebensabschnitts von mir werden wird, möchte ich heute mit diesem Teil einmal etwas anderes schreiben, nämlich ein kleines Fazit, das Euch deutlicher machen wird, warum ich meiner autobiografischen persönlichen Geschichte die Endung „mein Leben in einem kapitalistischen Land“ gegeben habe.
Ich denke nämlich, dass vieles, was ich und andere Menschen erleben, den Kapitalismus als Ursache haben.

Eine Jappy-Freundin von mir gab mir den Tipp, dass ich genauso günstig bei Edeka einkaufen kann wie bei Aldi, Lidl, Netto usw.
Es gibt diesen Supermarkt in unserer Nähe und es stimmt wirklich. Man kann dort viel Geld ausgeben, muss man aber nicht, sondern kriegt dort genauso viele Artikel zu Discounterpreisen wie in den großen Discount-Märkten selbst.
Das Personal in diesem Supermarkt wirkt zufriedener, weniger abgehetzt, es sind auch viel mehr Leute dort beschäftigt.

Ab und zu feiern wir mit unserer Freundin Ela, die wie wir zu den Hartz-IV-Aufstockern gehört und sich Geld mit dem Austragen der Kieler Nachrichten und als weiterem Nebenjob einigen Wochenendschichten in einem Pflegeheim verdient, was sie auch nicht ganz vom Jobcenter weg bringt, obwohl sie viel arbeitet und im Pflegeheim auch wirklich schwer für eine kleine zarte Frau. Seit ein paar Monaten hat sie in Falko einen festen Partner, von dem wir denken, er könnte etwas fürs Leben für sie werden.
Silvester haben wir auch gemeinsam gefeiert.

Generell fällt aber jedem Menschen, der seinen Lebensunterhalt vom in Deutschland festgelegten Regelsatz bestreiten muss, selbst wenn er durch einen Zuverdienst ein paar extra Freibeträge hat oder wie Ela häufig bei der Tafel Lebensmittel dazu holt (Jürgen und ich machen das nicht), jede Form von Feier schwer, weil unser Staat für soziale Aspekte des Lebens beim Regelsatz gar keinen Platz geschaffen hat. Wer Sozialhilfe oder Hartz IV kriegt, braucht in den Augen unserer Regierung nämlich keine sozialen Kontakte, das ist reiner Luxus.

Gäbe es kein Internet, hätten Jürgen und ich so gut wie keine sozialen Kontakte zu Menschen .. wir beide würden uns nichtmal kennen und so auch auf diese Weise keinen neuen Halt haben finden können.
Da man zur Jobsuche sehen muss, einen funktionsfähigen Computer und einen Internetanschluss zu haben .. denn sonst läuft man ja Gefahr, auch noch sanktioniert zu werden, weil man sich nicht oft genug bewirbt .. kann man den natürlich auch privat nutzen, um über soziale Netzwerke ein wenig Kontakt zu anderen Menschen zu haben.

Eigentlich haben wir durchaus einige nette Freundinnen und Freunde. Vielen geht es genauso wie uns. Sie bekommen zu wenig Rente, stocken mit Sozialhilfe auf oder haben einen kleinen Nebenjob nebenbei, der ein wenig hilft .. oder sie sind noch jünger und jobben, aber verdienen nicht genug, um ohne ergänzendes Hartz IV auskommen zu können. Manche haben auch Kinder, sind allein erziehend. … Man hat selten das Geld, sich zu besuchen .. auf beiden Seiten nicht … aber es tut schon gut, dass es jemand gibt, der einen mag und dem man zeigen kann, das man ihn oder sie auch mag. .. Ich glaube, das geht vielen Menschen heute so.

Einige Leute, denen es ein bisschen besser geht als uns, haben uns durchaus schon geholfen. Eine Freundin kam von weit her, weil sie ihren Kleiderschrank ausgeräumt hatte, nur um mir ganz viele noch recht gute Sachen vorbeizubringen, die ich teilweise noch an Freundinnen, die auch kein Geld haben, weiter verteilt habe, sofern es mir nicht gepasst hat. Eine andere Freundin aus Bayern schickte mir einen gebrauchten PC, der besser ist als dieser, wo ich mir nur noch einen Monitor zu kaufen muss .. aber bisher noch nicht genug Geld dafür übrig hatte, denn in unserem Haushalt fehlt ständig jeder Cent.

Auch mein Jüngster half uns voriges Jahr mit einem gebrauchten PC weiter, als Jürgens ganz den Geist aufgab .. der hat zwar einige Macken, aber hilft weiter .. für die nötigen Ersatzteile hat uns auch da bisher noch das Geld gefehlt.
Man kann bei Hartz IV ja immer nur das absetzen, was man auch ausgeben konnte … man kann nichts abschreiben und auch keine Rücklagen bilden, wie es beim Finanzamt geht, mit dem wir als Aufstocker ja nichts zu tun haben, sondern unsere Anlage EKS immer dem Jobcenter einreichen müssen. Die Anlage EKS hat Ähnlichkeit mit einer Steuererklärung, aber wird fürs Jobcenter halbjährlich gemacht.

Unsere Waschmaschine ist kaputt, unsere Kaffeemaschine ist kaputt, den Staubsauger konnte Jürgen nochmal reparieren, der geht nun wieder … bisher konnte ich weder die Waschmaschine noch die Kaffeemaschine ersetzen .. aber es wird kommen … solange muss es eben so gehen.
Es fällt uns schwer, die teure Hundesteuer zu bezahlen genauso wie die Tierhalterhaftpflicht für unsere beiden Pferde oder die Stallkosten aufzubringen. Es fällt sogar schwer, die Futterkosten für Haustiere aufzubringen, das Geld für den Schmied usw.

Der Regelsatz in Deutschland sieht nicht vor, dass man ein Haustier oder gar mehrere hat, selbst Hund und Katze sind da nicht drin .. Pferde schon gar nicht … und unsere hätten ein Alter, dass sie locker bei so dubiosen Händlern landen könnten, die bewusst armen Menschen alte und kranke Tiere abkaufen, um damit ihr Unwesen zu treiben.
Der Regelsatz sieht keine Reisen zu Verwandten oder Freunden vor, keine Geschenke, nichtmal einen Weihnachtsbaum oder Zimmerpflanzen in der Wohnung. Und jedes Jahr werden es mehr Menschen, die aufstocken müssen und so vom Regelsatz abhängig sind.

Als ich anfing zu erzählen, zeigte ich Euch Bilder von Edeka und sagte, da kann man die billigen Produkte genauso günstig kaufen wie bei Aldi, Lidl oder Netto usw. Trotzdem ist es schwer, überhaupt regelmäßig Essen kaufen zu können. Der Regelsatz wurde für Jürgen und mich 2016 um gerade mal 8 Euro im Monat rauf gesetzt. Bei Einzelhaushalten waren es 5 Euro im Monat, für Kinder sogar noch weniger als die 4 Euro, die Jürgen und ich jeder kriegen. Die Freibeträge wurden noch nie angepasst.
Warum?

Vieles wurde auch in diesem Jahr teurer .. sowas geht unmerklich. Da kostet die Milch statt 55 Cent dann plötzlich 59 Cent, der billige Apfelsaft statt 55 Cent auch 59 Cent, der billige O-Saft statt 89 Cent 95 Cent, die billigen Eier statt 99 Cent 1,19 Euro und so weiter und so fort. Da sind 4 Euro sehr schnell weg .. jedes Jahr sind die Preiserhöhungen höher als das, was es an Regelsatz mehr gibt .. so werden die Armen immer ärmer … aber unsere Kanzlerin Angela Merkel redet im Fernsehen davon, sie hätte ein freundliches Gesicht .. das hat sie aber nichtmal gegenüber den Ausländern, die hierher kommen, denn die kriegen noch weniger als den Regelsatz.

Es ist auch Angela Merkel, die dahinter steckt, dass Leiharbeiter nach wie vor ausgebeutet werden sollen .. sie steckt übrigens auch dahinter, dass Crowdworker genauso arbeiten wie wir es auch tun .. denn das fördert den Profit der Superreichen .. und unsere Kanzlerin hat nichts anderes im Auge als deren Profit .. redet aber so, als seien alle Deutschen böse Rechtsradikale, die den armen Ausländern was tun wollen. .. Ich denke aber nicht, dass es so ist. .. Das hat auch Sigmar Gabriel erkannt gehabt .. ob seine Partei nun dahinter stehen mag oder nicht oder was immer die als Koalitionspartner überhaupt tun könnte … getan haben sie es zumindest bisher nicht.

Was die SPD vor der Wahl versprach, wäre okay gewesen .. was sie mit der CDU haben tun können, war es nicht .. ob die Grünen oder Linken es schaffen würden, ich habe keine Ahnung.
Aber das Gerede unserer Kanzlerin, die nach vorn so sozial tut und eine große Mitschuld an allem trägt .. und zwar bis hin nach Syrien und auch in ganz Europa … das geht mir sowas von auf den Geist .. und ich nutze meine kleine private Familiengeschichte in ihrer ganzen Dramatik der kleinen Leute dazu, um das zu tun, was man Pressefreiheit nennt .. nämlich zu zeigen, wohin Hartz IV geführt hat.

Die kapitalistische Einstellung unserer Regierungsparteien hat zu einer großen Wohnungsnot geführt, zu bitterer Armut unter Millionen von Menschen, die nicht sein müsste und die auch viel mehr Menschen umfasst als die Aufstocker, weil auch alle, die knapp drüber liegen, davon betroffen sind.
Und wenn es so weiter geht, wird sie auch dazu führen, was mir früher mal mein Opa so deutlich erklärt hat .. nämlich wieder zu einer rechtsradikalen Regierung, die dann alles kaputt macht … es ist nämlich zur Zeit in dieser Beziehung 5 vor 12 !!!!!

Also hoffe ich, dass irgendeiner von den Kapitalisten da oben seinen Verstand einschalten wird und endlich für mehr Gerechtigkeit in diesem Land sorgt.
Was wir privat an sozialer Kälte erlebt haben, hat nämlich nur einen Grund …. Armut, Angst und bei denen, die noch einen anständigen Job haben, viel zu wenig Zeit, weil auch die ausgebeutet werden und sich um nichts mehr sonst kümmern können.
Später mal mehr .. dann wieder autobiografisch und als Rückblick.
LG Renate

Ursprungslink: http://unserelebensgeschichte.blogspot.com/2016/03/bilanz-mein-leben-in-einem_8.html

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