Chiwas Hufrehe-Geschichte – Teil 9

Eine gesundheitlich relativ harmlose Phase von Dezember 2013 bis Juni 2016

In den ersten Tagen brauchte Chiwa nach dem Stallwechsel nach Reuterkoppel viel Ruhe. Sie war ja halb tot,als sie dort ankam.
Prima durfte tagsüber raus, war aber im Auslauf ja ganz in Chiwas Nähe und leistete ihr Gesellschaft.
Ein paar Tage bekam Chiwa die für Hufrehe typischen Medikamente und Kräuter, nämlich Heparin, das Schmerzmittel Metacam, Brennesseln, Klettenkraut und Weidenrinde, weil es Winter war, das allerdings getrocknet und fertig gekauft aus einem Kräutershop.

Das Foto rechts wurde am 8. Dezember 2013 aufgenommen. Chiwa durfte an dem Tag ihren ersten kleinen Ausflug von einem Viertelstündchen gemeinsam mit Prima in den verschneiten Auslauf machen.
Unser Tierarzt Dr. Halbrock machte uns immer wieder Mut. Er sagte, wir sollen einem so alten Pferd genug Zeit lassen, nach einem so schlimmen Hufrehe-Schub wieder auf die Beine zu kommen. Das würde dauern, aber wieder werden. Es dauerte auch, aber er hatte Recht, es wurde auch wieder.

Silvester 2013/2014 machte Chiwa mit Prima ihren ersten Schrittauslauf zum Reitplatz und zurück und planschte fröhlich in der Pfütze auf dem Reitplatz.
Das Foto links ist schon ein paar Wochen später aufgenommen worden, als wir begonnen hatte, vorsichtig im Round Pen mit ihr im Schritt und Trab zu üben, Galopp ging aber noch nicht.

Ende März kam die Haflinger-Stute Camilla mit zu der Gruppe. Dann konnte auch die dritte Box bei uns im Stalltrakt vermietet werden und es gesellte sich der Hafi Aron als viertes Pferd mit zu der Gruppe.
Nur zu Anfang ging auch das mit Chiwa noch gut, aber nicht lange.

Es klappte mit Chiwa nur so lange gut, wie die Pferde bei uns wie abgemacht im Auslauf überwiegend mit Heu gefüttert wurden und darauf genau geachtet wurde, dass alle vier nur stundenweise auf die sehr kleereiche kleine Waldweide durften.
Wie man oben sieht .. das Foto haben wir Ende April oder Anfang Mai 14 aufgenommen .. hatte sich Chiwa da wieder supertoll von der Hufrehe, die sie im Stall zuvor in Klein-Kühren bekommen hatte, dann erholt.

Wir freuten uns im Frühling 14 auch noch über das kleine zusätzliche Weidestück, die sogenannte Apfelweide, die wir mit den vier Pferden dann zusätzlich als Stundenweide nutzen konnten und die nicht so Klee-durchsetzt war wie die Waldweide.
Das Foto rechts stammt aus Juli 2014. Camilla war damals plötzlich nicht mehr da, weil sich ihr Frauchen ein 2. Pferd dazu gekauft hatte, mit dem sie nun gemeinsam woanders stand. Prima, Aron und Chiwa waren so alleine, es klappte mit dem stundenweise Grasen noch gut und Chiwa war nach wie vor gesund.

Im August 14 kaufte sich die Mutter von Arons Frauchen den Wallach Dante, der mit Aron gemeinsam eine Box nutzen sollte. Dass das später auch nicht klappte, war nicht unser Problem, sondern dass Chiwa dann kurz darauf fürchterlich lahmte.
Wir wissen bis heute nicht, ob sie einen leichten Hufreheschub oder Rückenprobleme hatte. Beides ist möglich, denn Dantes Frauchen hielt sich nicht mehr an die Absprache und hatte alle Pferde mehrfach stundenlang auf die Waldweide gelassen.

Die Stallbetreiber kümmerten sich um nichts, ließen es dann aber zu, dass wir unter Streit einen Zwischenzaun zogen. Ab da nutzten wir dann vorübergehend mit Chiwa und Prima nur noch die Apfelweide, um möglichst Konflikten aus dem Weg zu gehen. Es fing an, auch in diesem Stall keinen Spaß mehr zu machen, weil einem wie immer was versprochen worden war, das keiner gedachte, wirklich zu halten, was bei einem Rehepferd aber wichtig ist. Dante und Aron blieben nur bis Dezember 14 und verließen aufgrund von Streit wegen Futter und Schlamm dann den Stall.

Chiwa und Prima waren nicht lange alleine. Schon Anfang Januar 15 kam der Isländer Saili dazu, der auch zu Hufrehe neigte. Die Pferde vertrugen sich gut.
Chiwa hatte sich im August 14 übrigens schnell wieder erholt. Der Extra-Auslauf mit Prima und die Alternative mit der Apfelweide klappte gesundheitlich. Weniger gut klappte allerdings der Wechsel des Schmieds Anfang Januar 15. Saili musste dringend bei Schnee von seinen Hufeisen befreit werden, aber unser Schmied hatte einfach keine Zeit zu kommen.

Sascha meinte, ob wir nicht nach einem jungen neuen Schmied suchen könnten, denn sein Azubi war gewechselt und er alleine und total überlastet.
Wir fanden auch einen, der nett und zuverlässig war, auch sehr gut mit den Pferden umgehen konnte, aber mit den Hufen klappte es eigentlich bei beiden Pferden nicht wirklich. Primas brachen nur viel schneller aus als sonst, aber Chiwa hatte mehrmals Hufgeschwüre wie hier oben und auch links. Ich entdeckte dann, dass die Hufe auch viel zu flach gestellt waren.

Bis das passierte, war allerdings Saili schon wieder weg gezogen, nachdem er bei uns einen Hufrehe-Schub gehabt hatte .. allerdings er unter einem anderen Schmied, denn unser junger Schmied scheint sehr sauer zu reagieren, wenn man einmal einen Termin verschiebt. Sailis Frauchen tat das damals und musste sich sofort einen anderen Schmied suchen, über dessen Arbeit ich nichts sagen kann. Ich weiß nicht, ob Saili noch empfindlicher auf Klee reagierte, vielleicht den bei uns auch reichlich vorhandenen Hahnenfuß gefressen haben mag, was unsere nicht tun oder woran es sonst gelegen haben könnte. Er ging im Juli 15 mit seinem Frauchen wieder weg und soweit ich weiß, geht es ihm seitdem wieder besser. Er hatte noch nicht wieder Hufrehe.

Chiwa und Prima waren nur einige Tage nach Sailis Umzug alleine, dann fanden wir erneut einen Zwischenzaun vor, den dieses Mal nicht wir, sondern die Stallbetreiber gezogen hatten. Camilla war wieder da, dieses Mal mit Stute Ala und beide sollten erneut nun den ganzen Tag auf der Waldweide grasen. Immerhin hat dann keiner Chiwa und Prima stundenlang dazu gelassen. Uns verblieb halt wieder nur der Rückzug, Chiwa und Prima im Auslauf und nur unter unserer Aufsicht vorübergehend auf die Waldweide zu lassen.

Durch den Bau einer Reithalle ergaben sich in Bezug auf die Hufreheneigung von Chiwa keine wirklichen Probleme, allerdings schon in Bezug darauf, dass unsere Pferde sind nicht mehr vernünftig bewegen konnten. Es wurden immer mehr neue Einsteller aufgenommen, bei uns im Auslauf waren es zuletzt sogar sechs Pferde, vier auf der Seite von Ala und Camilla, die dann schon warteten, dass wir das Weite suchten.
Schon im September 15 war alles schlammig, war im Winter so sumpfig, dass Chiwa und Prima nur noch auf der Betonplatte vor ihrem Stall standen,

denn der Auslauf war durchnässt, ließ sich nicht mehr richtig abäppeln, war rutschig, die Pferde konnten dort nur noch entlang waten, nicht mehr richtig laufen geschweige denn fröhlich traben oder rennen. Wegen der vielen fremden Pferde und der Hauptstraße gleich in der Nähe traute sich nichtmal mehr Jürgen mit ihnen rüber zum Reitplatz, denn sie kannten diese andere Herde ja nicht, hätten uns weg laufen können. Zur Apfelweide kam man wegen des Schlamms von Oktober 15 bis Ende März 16 gar nicht mehr durch. Wir gerieten dann deshalb und wegen diverser anderer Dinge, die mit Chiwas Hufreheneigung nichts zu tun haben, auch in Streit mit dem Ehemann der Stallbetreiberin, haben unter sehr dramatischen Umständen dann mehr oder weniger panisch nach einem anderen Platz für unsere Pferde gesucht, den wir zunächst nicht haben finden können.

Mit unserem jungen Schmied hatten wir geredet und er hat wohl auch versucht, die Hufe unserer beiden Pferde steiler zu stellen, aber auch nach Auffassung unseres Tierarztes, der unlängst bei uns war, war das im Prinzip immer noch viel zu flach und besonders für ein zu Hufrehe neigendes Pferd, aber auch generell, sehr ungünstig. Unser Tierarzt kannte diesen Kritikpunkt auch bereits von vielen anderen Seiten, sagte er. Die gleichen Probleme hatten offenbar diverse Pferdehalter in der Umgebung.

Na ja .. Mitte April gelang es uns schließlich, von einem Schäfer der Preetzer Feldmark 2 ha Weideland abzukriegen, das wir pachten konnten, obwohl er eigentlich erst zu Oktober 16 gekündigt hatte. Das war sehr nett von ihm, uns zu helfen. Die letzten drei Fotos zeigen diese neue Pachtweide.
Das erneute Gespräch mit unserem jungen Schmied erübrigte sich dadurch, denn als wir aufgrund des Umzugs den Termin gern verschieben wollten, war der genauso wie damals bei Sailis Frauchen beleidigt und hat nicht mehr geantwortet.

Weder Jürgen noch ich sind sonderlich betrübt, dass unser junger letzter Schmied nicht mehr kommen will, wir waren sowieso unsicher, ob es jemals klappen würde, die Pferde so zu stellen, dass es nach dem Fesselstand ist, was bei beiden eigentlich wichtig wäre, bei Chiwa aber besonders wichtig, weil sie sonst zu Hufgeschwüren neigt.
Auch der Umzug war mehr als nötig für die Hufe der Pferde und ihre Gesundheit allgemein, denn so wie oben sah unser Auslauf noch am 30.April 16 aus, also einen Tag vor dem Wonnemonat Mai.

Ein derartiger Boden, der allenfalls im Hochsommer vorübergehend wochenweise halbwegs trocken ist, mag nicht unbedingt eine Brutstätte für Hufrehe sein, aber dafür eine Brutstätte für Mauke und Strahlfäule.
Und dass Strahlfäule, wenn sie wirklich schlimm wird, fast schlimmer als Hufrehe werden kann, habe ich früher einmal in der Hufrehe-Ecke meines Blog-Forums bei einem anderen Pferd miterlebt, das an Strahlfäule fast gestorben wäre, die vorher zwei Tierärzte für Hufrehe gehalten haben und nur ein guter Schmied dann kurieren konnte .. im letzten Moment.

Es ging aber alles gut. Chiwa und Prima hatten im alten Stall nur gewisse Probleme mit zu flach gestellten Trachten und zu wenig Tragrand, konnten aber beide am Umzugstag gut laufen. Strahlfäule oder Mauke hatte noch keins unserer Pferde, als wir gingen.
Chiwa war nun allerdings an frisches Gras so gut wie gar nicht mehr gewöhnt und wir sehr vorsichtig und ängstlich, als sie dann ja sofort auf Gras mit nur Heufütterung dazu gestellt werden musste.

Die Umstellung hat bisher aber sehr gut geklappt.
Chiwa gehört zu den Pferden, die nur empfindlich auf zu viel Klee, Eicheln (vermutlich auch Bucheckern, was wir aber nie ausprobiert haben), Sumpfschachtelhalm und Schimmel in Raufutter reagiert. Von anständigem Weidegras hat sie bisher nie Hufrehe bekommen und jetzt auch nicht.
Das kann bei anderen Pferden aber ganz anders sein, denn jedes Rehepferd reagiert anders. Man muss das immer selbst herausfinden, ganz individuell beim eigenen Pferd.

Auf unserer neuen Pachtweide gibt es hinter dem kleinen Teich eine sumpfige Ecke, wo es einige Quadratmeter mit dem für Rehepferde sehr gefährlichen Sumpfschachtelhalm gibt .. siehe oben ein Foto einer Spore davon … die sind grün, die vom harmlosen Ackerschachtelhalm sind braun, woran man gut erkennt, was es ist. Die Sporen vom Sumpfschachtelhalm erscheinen auch erst Ende Mai, die vom Ackerschachtelhalm schon Anfang April.
Wir ziehen um diese Ecke einfach einen Zaun, dann können die Pferde dort nicht hin und die Gefahr ist gebannt.

Im Laufe von Anfang Mai bis jetzt .. es ist jetzt Ende Juni 2016 .. haben wir den Pferden ihr Weidestück nach und nach erweitern können. Es geht Chiwa immer noch sehr gut. Heu füttern wir nur noch scheibchenweise dazu, nicht mehr viel. Sie würden es sonst sowieso liegen lassen.
Es gibt aber abends immer ein Strukturmüsli mit extra Omega-3-Öl drüber, was ich für gesund halte, wenn sie denn schon viel grünes Gras fressen.

Auch nach mehrmals Nachfragen hat mein Mann von unserem jungen Schmied wie gesagt keine Antwort mehr bekommen und sich dann gesagt, lass ihn maulen. Es kann immer einmal ein wichtiger Grund vorliegen, einen einmal abgemachten Termin zu verschieben. Wer das nicht verträgt, ist ohnehin nicht optimal als Schmied.
Also ist mein Mann dann ausnahmsweise, weil er das durchaus recht gut kann, dann selbst mal mit der Feile ans Werk gegangen.

Es wird aber besser sein, jemand zu finden, der dabei hilft, den Strahl anständig auszuschneiden, wenn das mal wieder sein muss. Momentan sieht der zwar super aus und das Feilen hat gut geklappt, aber irgendwann wird der Strahl dran sein.
Wir müssen also mal schauen, ob es nicht doch noch wo einen Schmied gibt, der sanft zu Pferden ist wie der letzte, mehr Zeit hat als der vorletzte, aber die Hufe genauso gut stellen kann wie der vorletzte Schmied oder sein damaliger Azubi. Irgendwo wird er schon stecken und wir werden ihn sicher auch finden.

Momentan .. ich glaube, das sieht man sicher auch auf den Fotos .. geht es beiden Pferden sehr gut, auch unserer Chiwa .. sie bewegen sich locker und elastisch genauso wie es sein muss trotz .. was man sicher auch gut sieht … einem Leben wie im Schlaraffenland, was das Gras anbelangt, mit dem wir wirklich ernormes Glück gehabt haben bis auf die kleine Ecke, die sumpfig ist und die wir ausgezäunt haben, was bei der Riesenfläche aber kein Problem darstellt.

So .. das war es erstmal mit Chiwas Hufrehegeschichte, von der ich hoffe, ich kann auch in Zukunft weiterhin so viel Positives berichten wie jetzt gerade.
Also bis später mal in einigen Monaten, wenn ich erzählen werde, wir alles weiterging.
LG Renate

Original.-Link

http://hufrehe-blog.blogspot.com/2016/06/chiwas-hufrehe-geschichte-teil-9.html

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