Bilanz – Mein Leben in einem kapitalistischen Land Kapitel 3: Meine Teenagerzeit bis zu meiner Hochzeit

Nach meinem Realschulabschluss lernte ich den Beruf Industriekauffrau. Genau genommen habe ich damals noch Industriekaufmann gelernt, denn die weiblichen Berufsbezeichnungen gab es 1969, als ich anfing zu lernen, noch nicht. Ich hätte damals bei jedem der Betriebe, bei denen ich eine Bewerbung geschrieben hatte, anfangen können zu lernen. Die Firmen, denen ich abgesagt habe, haben mich sogar alle gebeten, doch bei ihnen anzufangen. Ja, das waren noch Zeiten für Menschen, die Arbeit suchen.

Meine beste Freundin Margrit lernte zur gleichen Zeit den Beruf der Arzthelferin. Wir beide begannen dann auch, mit vielen anderen Freundinnen oft tanzen zu gehen und besonders Margrit sollte bei der Wahl meines späteren Ehemannes eine wichtige Rolle spielen. Wir waren eben noch halb Kinder und halb auch junge Frauen, wie das so ist, wenn man 16 Jahre alt ist.

Wenn Margrit und ich nicht tanzen waren, dann haben wir damals auch noch nach wie vor ausgelassen mit meinen beiden Meerschweinchen und meinem Kaninchen oder meinem kleinen Hund Waldi gespielt oder sind oft im Lanker See baden gewesen und dergleichen.

Dieses Bild von Waldi haben wir damals im Garten von Margrits Eltern gemacht. Einer ihrer Brüder hatte damals schon ein Auto, einen VW. Autos oder Telefon zu Hause war aber damals etwas, das noch eher Seltenheitswert hatte. Die meisten Menschen hatten so etwas noch nicht.

Das ist Waldi bei uns im Garten. Zu dieser Zeit hatten wir keine Zentralheizung, sondern Kohle-Öfen, kein Telefon, aber einen Fernseher noch von meinem Vater her, schwarz-weiß natürlich. Wir hatten damals auch bereits ein Badezimmer, wo wir mit einer Gasflasche warmes Wasser machen konnten und in der Küche den Kohleherd gegen einen Gasherd ausgetauscht. Das klingt nach Armut, war es aber nicht, denn das war damals eben normal. Ich habe mich als Kind oder auch als Teenager nie arm gefühlt.

Mein Vater kümmerte sich nicht um mich, aber ich glaube, meine Mutter hätte das auch gar nicht gewollt. Ich habe das immer für einen Fehler von ihr gehalten. Heute denke ich anders darüber. Vielleicht wäre es besser für mich selbst und sogar meine Kinder gewesen, wenn ich mit meinem Ex-Mann später genauso verfahren wäre. So habe ich ihnen in dem Glauben, ein Kind braucht Mutter und Vater, um sich entwickeln zu können, sicherlich einfach eine unglückliche Kindheit bescheert, die aus vielen Geldsorgen und häufigen Streitigkeiten zwischen mir und meinem 1. Mann bestand.

Meine Mutter hatte Halt in ihren Eltern und begann damals auch, sich genauso intensiv um meine Großmutter zu kümmern wie ich das später bei ihr habe tun müssen, denn Oma wurde schon sehr früh dement und auch nicht sehr alt. Meine Großeltern starben beide, als ich gerade 18 Jahre alt war, binnen 6 Monaten hintereinander und haben mein 1. Kind nicht mehr kennenlernen können, meinen 1. Mann allerdings schon.

Ich wurde verwöhnt und durfte viele Partys feiern. Meine Mama und Oma haben immer geholfen, kalte Platten zu machen, nachher wieder aufzuräumen und waren sehr freundlich zu meinen damals sehr zahlreichen Freunden und Freundinnen.

Meinen 1. Mann Hansi lernte ich im Sommer 1969 kennen und war zunächst nicht begeistert von ihm. Irgendetwas störte mich an ihm, obwohl ich andererseits den Impuls hatte, von diesem Mann einmal 4 Kinder zu bekommen und mir bei einem 5. in der Mitte unsicher war … es war eine Art hellseherischer Impuls, der sich später als wahr herausstellen würde, denn ich habe vier Kinder von ihm bekommen und hatte in der Mitte davon eine Fehlgeburt. Ich hatte sogar recht mit dem Geschlecht, denn meine Kinder wurden genau in der Reihenfolge als Mädchen und Jungen geboren wie ich es damals schemenhaft „sah“.

Es war Margrit, die meinte, wenn ich den jungen Mann nicht als Partner möchte, sie würde ihn nett finden und ich sollte ihn zu einer unserer vielen Partys einladen. Das tat ich dann und so wurde er mein Lebensgefährte.

Fest wurde unsere Beziehung dann ab dem 29. November 1969, denn Hansi wollte eben mich und nicht meine Freundin Margrit. Solange wir nicht zusammen gelebt haben, habe ich unsere Beziehung als glücklich empfunden.

Ich wusste, dass seine Kindheit hart und nicht glücklich war. Er wurde viel geschlagen und hatte ständig das Gefühl, alles was er sich wünschte, nicht zu bekommen. Ich frage mich heute, ob Not und Armut in der frühen Kindheit aus Menschen das machen, was ich in meiner Ehe erlebt habe und wie sich die Not und Armut, die aus den Folgen davon auch später meine Kinder haben erleben müssen, auf ihren Charakter ausgewirkt haben können.

Als ich mit 18 ungewolt von Hansi schwanger wurde, war er durchaus für mich da. Seine Mutter wollte mich zu einer Abtreibung zwingen. Er hat zu mir gehalten, riss von zu Hause aus und zog bei mir, meiner damals noch lebenden Oma und meiner Mama ein. Opa war kurz vorher gestorben.

Auch meine Omi starb noch vor unserer Hochzeit. Wir beide mussten, um heiraten zu können, damals noch einen Psychotest machen und die Psychologin stellte meinem Ex-Mann damals aus, er wäre reif für eine Ehe.

Er ist auch heute noch nicht reif für eine Ehe, weil er nie erwachsen geworden ist und gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Aber das konnte ich damals nicht wissen. Ich denke nur heute oft, spontan habe ich es zu Anfang gefühlt und man sollte immer auf seinen Bauch hören, egal was später der Kopf dazu sagt.

Das Bauchgefühl ist dem Verstand nämlich meistens überlegen.

Am 23.6.1972 habe ich damals dann hochschwanger geheiratet. Mein Arbeitgeber hat mich wegen der Schwangerschaft übrigens entlassen, obwohl er im Kirchenvorstand war … wie sozial, auch schon damals.

Ich war allerdings damals nicht lange arbeitslos und bei meiner Hochzeit hatte ich noch gar nicht ausgelernt. Mit einem Foto davon höre ich heute einmal auf und werde Euch später mehr aus meinem langen Leben erzählen.

LG
Renate

Urspungslink: http://pferde-tiere-gesundheit-soziales-zeit.blogspot.com/2013/07/bilanz-mein-leben-in-einem.html

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