Meine Tiere; mein Leben und ich Teil 3

Und plötzlich war Bessy da

Wie schon in Teil 2 beschrieben, musste Anka ja leider von uns gehen. Auch für mich hieß es nach ein paar Wochen Ferien wieder, in den Internatstrott zurückzukehren. Obwohl es Sommer war und in der Freizeit der Strand lockte, ging mir Ankas Verlust sehr nah. Sie fehlte mir sogar auf Langeoog, obwohl sie nie hier war.
So vergingen die ersten Tage ohne besondere Aktionen mit meinen Freunden. Ich war zwar mit ihnen unterwegs, aber nicht wirklich dabei. Doch dann passierte es! Ich bekam Post von zu Hause. Eigentlich war es sehr ungewöhnlich, jetzt schon einen Brief zu bekommen. Beim Öffnen rutschte ein Foto aus dem Brief. Darin stand sinngemäß:
Wir haben ein neues Familienmitglied. Sie heißt Bessy und ist, wie Du sehen kannst, ein Irish Setter. Ich lese gerade Bücher über diese Rasse. Hättest Du nicht sagen können, dass das Jagdhunde sind?
Auf dem Polaroid ist Bessy 9 Wochen alt und erst den zweiten Tag in Hannover.
Liebe Grüße Dein Vater.

Das Polaroidfoto von Bessy

Boah, war das eine Überraschung. Ich rannte sofort zum Kaufmann, um Geld zu wechseln. Telefonkarten oder so gab es ja noch nicht. Aber dann war erst einmal die „Arbeitsstunde“ dran. Aber mal ganz ehrlich, wer kann sich bei so einer Überraschung schon auf seine Schulaufgaben konzentrieren? Die vorgeschriebenen 2 Stunden krochen sehr zäh dahin. Um 18 Uhr gab es Abendessen. Aber ich stopfte mir etwas Brot, Wurst usw. in einen Beutel und war wieder verschwunden. Kaum hatte der Sekundenzeiger 18:10 angezeigt, hinterließ ich eine Staubwolke, rein ins Zimmer, Abendessen in die Ecke gepfeffert und wie ein Blitz zur Telefonzelle. Papi und ich quatschten, bis mein Kleingeld alle war. Pfeifend schlenderte ich ins Internat zurück. Natürlich stand mir Nora, unsere Gruppenleiterin, im Weg. „Ja, ich weiß, ich hätte im Speisesaal bleiben sollen. Aber in den Ferien ist mein Hund gestorben und eben erhielt ich ein Foto von unserem neuen Hund. Da musste ich einfach schnell telefonieren.“ Ja das weiß ich doch. Zeig mir doch mal das Foto von Bessy.“ Mehr als verdutzt, kramte ich das Bild aus der Jackentasche. „Ist die aber süß!“ Und nun sag Deinen Eltern noch, dass Du nicht verhungerst und Du Dir Dein Abendessen ins Zimmer geholt hast.“

Bessy’s Lieblingsplatz im Wochenendhaus

Ja so ist Bessy in mein Leben getreten. Man könnte fast sagen, sie sei mit der Post gekommen. In den nächsten Ferien gab es nur Bessy und mich. Sie begrüßte mich sogar das erste Mal freudestrahlend an der Tür. Sie kannte mich ja schon vom Geruch her. In den vier Wochen lernte Bessy sehr viel. Dann bekamen wir Besuch von Papas Arbeitskollegin, deren Hund wir in Pflege nehmen sollten. Teppa und Bessy verstanden sich sofort. Sie teilten sich das Hundekissen und waren unzertrennlich. Doch dann lief Teppa ein Kaninchen vor die Nase und sie natürlich sofort hinterher. Rufen und locken war vergebens. Teppa blieb verschwunden. Also schickte ich Bessy hinterher. Die Minuten des Wartens vergingen fast wie Stunden. Endlich hörte ich etwas aus der Kiefernschonung. Dann sah ich etwas Erstaunliches. Bessy hatte Teppa im Genick gepackt und schob sie immer wieder ein Stück nach vorne, lief dann selber das gleiche Stück und schob dann Teppa wieder vor. Bessy war ja noch zu klein, um sie zu tragen. Das Bild war einfach göttlich.


Bessy und Teppa mit meiner Mutter

Später streiften Bessy und ich durch die Gegend unseres Wochenendhauses. Bessy war dabei übrigens selten an der Leine. Sie hörte aufs Wort und stöberte vielleicht mal ein paar Vögel auf. Aber richtig jagen war sie nie. Wir haben sogar öfter Rehe beobachtet, wie sie von einer Schonung in die nächste streiften. In den folgenden Jahren hieß Nachmittagsgassi immer Radfahren, auch im Winter. Und wenn Bessy zu warm wurde, ist sie einfach ins Wasser gesprungen, auch im Winter. Sie war aber so fit, dass sie nie krank wurde. Auch Kanufahren gefiel ihr. Wie ein Kapitän schaute sie im Kanadier nach vorne. Manchmal stand sie sogar mit den Vorderbeinen auf dem „Vorschiff „. Oder aber sie sprang aus dem Boot ins Wasser, wenn das Anlegen zu lange dauerte. 


  Bootshund Bessy mit Mama und mir auf der Örtze
erste Trockenübung

Den einen Nachmittag stöberte sie ein Kaninchen auf und rannte ein Stück hinterher. Da aber das Kaninchen Richtung Siedlung und unter einem Zaun durch lief, sprang Bessy im Eifer der Verfolgung über den Zaun. Dann war das Kaninchen aber wieder uninteressant und Bessy wusste nicht, wie sie vom Grundstück kommen sollte. Ich musste die Tür irgendwie aufkriegen und meinen Setter befreien. Denn noch einmal über den Zaun hüpfen traute sie sich nicht.
Bessy und der Frosch
Eines Morgens kontrollierte ich die Paddelboote auf unserer Wiese. Dabei entdeckte ich einen Frosch im Canadier. Ich brachte den armen Kerl gleich zum Wasser. Er schwamm auch von der Hitze noch etwas benommen ein Stück. Ich drehte mich um, um wieder nach den Booten zu sehen. Da stand doch Bessy neben mir und legte mir den Frosch vor die Füße. Ich trug ihn wieder Richtung Wasser. Setzte ihn diese Mal aber am Ufer im dichten Gras ab. Bessy apportierte ihn auch diese Mal. Das Spiel ging so noch eine paar Mal. Ich brachte Bessy aufs Grundstück und schloss die Gartentür. Sonst hätte das noch Stunden lang so weitergehen können. Dem Frosch ist bei all dem Apportieren nichts passiert. Ich habe extra öfter nach ihm geschaut.
Bessy konnte sogar gut Autofahren.
Bei Bessy ergab sich dann auch das gleiche Spiel mit den Auto. Papa rief sie und sie stieg zögernd bei ihm ein. Rief ich sie aber, sprang sie sofort ins Auto. War der Sitz noch nicht vorgeklappt, machte Bessy den Umweg über den Fahrersitz mit einem Sprung nach hinten. Fuhren wir los, presste sie ihr Hinterteil gegen die Rückenlehne und legte sich wie ein Rennfahrer in die Kurven. Nur Kopfsteinpflaster mochte sie wie Anka nicht. Aber man fährt ja gerne Umwege für den Hund.
Nach elf Jahren hatten meine Eltern leider nicht aufgepasst und Bessy trank im Frühjahr aus einer Pfütze mit Streusalzresten. Davon hat sie sich leider nie wieder richtig erholt. Sie ist eines Morgens einfach nicht mehr aufgewacht.
Ich werde all unsere Streifzüge durch die Heide und durch Hannover nie vergessen. Ich konnte mich immer auf Bessy verlassen. Sie war immer in einem Umkreis von ca. 50 Metern um mich herum. Eine Eigenart fällt mir gerade noch ein. Immer wenn wir andere Hunde trafen, die kleiner als sie waren, legte sie sich flach auf den Boden. Dann folgte das übliche Auffordern zum Spielen und erst wenn der andere Hund darauf reagierte, stand sie ganz auf. Ihr Lieblingsspiel war das gegenseitige Fangen.

  Hier lag Anka auch immer …
Bessy auf dem Grundstück
Siesta mit Mama
Schwimmen mit Bessy
Bussyknutscha mit Daniel, Bessy und Mama

LG Jürgen

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