Eigene Pferde – Unsere Stolzen Freunde Teil 3

Beistellpferd Lady – eine traurige Episode

Eigentlich hatten wir geplant, dass Nixe im kommenden Jahr ein Fohlen bekommen sollte und danach dann zugeritten würde. Wir hatte ja anfangs wirklich wenig Ahnung vom Verhalten von Pferden. Man lernt eben erst mit den Jahren viel, das wichtig ist, wenn man eigene Pferde hat. Schon nach dem ersten Besuch bei einem anderen Pferd in unserem Dorf mussten wir die Erfahrung machen, dass Nixe am kommenden Tag einfach durch den Zaun lief. Wie stark der Herdentrieb eines Pferdes ist und dass man Pferde wirklich nicht alleine halten darf, merkten wir auf diese Weise sehr schnell. Die Überlegung, ob wir statt des Fohlens von Nixe einfach noch ein Pferd anschaffen sollten,  zerschlug sich dann dergestallt, dass unser Manuel sich zum ersten Mal richtig ernsthaft verliebte und seine Freundin Sonja zu ihm und Vanessa in die WG einzog. Anfangs haben wir uns alle recht gut mit dem Mädchen verstanden, die zu uns kam, weil sie zu dem Zeitpunkt mit ihrer eigenen Mutter überhaupt nicht zurecht kam. Ich würde aufgrund dieser und vieler späterer Erfahrungen dennoch niemand dazu raten, ein pubertierendes Partnerkind zu Hause aufzunehmen. Man hat sehr schnell die Probleme, die dieses Kind zu Hause hatte, dann im eigenen Haus und da man mit dem Kind nicht vertraut ist, sicher noch schlimmer als es bei den eigenen Eltern war. Und daraus ergeben sich dann auch Probleme mit den eigenen Kindern.
Damals war unsere Vanessa begeistert von der Idee, dass sich Sonja auch ein Pferd kaufen würde und es zu Nixe stellen. Meine Bedenken redete sie mir mit Engelszungen einfach aus.
So kam dann das damals erst 7 Jahre alte Englische Vollblut Lady zu uns in den Stall.

Lady war das schwarze Pferd, Sonja trägt hier eine rosa Jacke. Vanessa reitet auf der damals für so einen weiten Ritt viel zu junge Nixe, die erst frisch zugeritten war und Esther ein altes, über 30 Jahre altes Pony, das die Kinder sich auf dem Gut ausgeliehen hatten. Den Tag werde ich so leicht nicht vergessen und meine kleine Tochter Esther vermutlich auch nicht. Sonja und Vanessa waren Teenager, vielleicht unerfahren, trotzdem hätten sie wissen müssen, dass man mit so einem alten Pony und auch einem Pferd wie Nixe, die noch unter 3 Jahre alt war, keinen stundenlangen Ritt und dann noch nach Stunden mit Freunden und deren Pferden Wettrennen machen dürfte. Nach Stunden bekam ich einen Anruf, dass das weiße Pony, als die beiden Mädchen mit ihren Freunden auf einer Wiese Wettreiten gemacht haben, Esther durchgegangen war und beim Rennen tot unter ihr zusammen gebrochen. Sie hatte das alte Pony nicht halten können, hatte ja auch überhaupt keine Reiterfahrung. Ich wartete und erst Stunden später kamen die beiden dann zurück, auch Nixe war vollkommen erschöpft und Lady sicher ebenfalls. Esther durfte sich dann anhören, dass sie schuld am Tod des Ponys sei, aber das sehe ich anders. Sie war damals 13 Jahre alt und wusste doch nicht, wo die beiden Großen mit ihr hin reiten würden und wie weit das war. Nur einige Wochen später verstanden sich auch Vanessa und Sonja überhaupt nicht mehr. Sie warfen sich gegenseit vor, dass keine von beiden gut reiten könnte und alles falsch machen würde und ich stand irgendwie dazwischen, denn Manuel liebte die Sonja schließlich sehr. Dann allerdings kam es noch schlimmer, denn auf dem Gut wurden die Stoppelfelder zum Reiten frei gegeben und Lady hatte sofort die erste Sehnenentzündung. Vanessa arbeteitete damals ja in einer Tierklinik und ihr Chef kriegte Lady auch wieder hin. Aber sie hätte natürlich Ruhe gebraucht. Binnen wenigen Wochen hatte sie dann diese Sehnenentzündung zum 4. Mal und an dem Wochenende hatte Vanessas Chef eine Fohlengeburt und konnte nicht so schnell kommen. So landete Lady in einer Tierklinik in Tökendorf, wo sie nur mit Phenylbutazon statt Cortison behandelt wurde. Es half gar nicht und Sonja ließ Lady danach auf Anraten der Tierärztin dieser Klinik schlachten. Vanessas Chef hatte gesagt, er würde das Tier retten können. Ich wollte das auch bezahlen, aber sie hätte dann monatelang auf keinen Fall mehr einen Reiter tragen dürfen und möglicherweise wäre sie auch nie mehr wirklich belastbar geworden. Das wollte Sonja nicht und entschied sich für Ladys Tod. Ich war bei der Schlachtung dabei. Ich hatte noch Jahre später Albträume davon, aber mochte das Tier im Tod eben nicht alleine lassen. Später wollte Sonja von dem Geld von der Schlachtung und etwas von ihrer Großmutter und etwas, das wir ihr hätten leihen können, ein neues Pferd kaufen und zu Nixe stellen, fuhr aber erstmal mit Manuel in Urlaub.
Vanessa war dagegen. Sie redete auf mich ein, ein eigenes Pferd zu kaufen und es zu Nixe zu stellen. Ich hatte Angst wegen Manuel. Ich hatte natürlich recht damit genauso wie ich vorher recht damit gehabt hatte, davon abzuraten, dass die junge neue Freundin unseres Großen bei uns einzieht und gleich ein Pferd zu Nixe stellen würde.
Sonja ist nicht mit jedem Pferd so umgegangen wie mit Lady. Die nächsten beiden, die sie sich gekauft hat, hat sie heute noch und tritt damit sogar bei Showreiten sehr erfolgreich auf. Nein, es ist nicht richtig, dass Sonja nicht reiten kann. Sie reitet auf ihre Art sehr gut, auch wenn mir persönlich Westernreiten besser gefällt als dieses gekünstelte Barockreiten, worin Sonja heute sogar C-Trainerin ist.
Ich überlegte, kaufte Chiwa als Beistellpferd für Nixe .. und musste natürlich erleben, wie wütend darüber sowohl Sonja als auch Manuel waren. Dass man das alles später mir anhängen würde und Vanessa sich raus reden würde, das allerdings habe ich damals auch nicht geahnt und nehme das meiner Ältesten auch sehr übel wie vieles mehr, was sie später getan hat.
Das hier sind erste Fotos von Chiwa, die wir dann am 1. Januar 1994 zu uns holten. Sie war damals erst 7 Monate alt und pechschwarz nur mit weißem Stern auf der Stirn.

Chiwa heißt mit vollem Namen Smartie White Chiwa, ihre Eltern sind Carolyne und Valesco vom Buschhof. Sie ist ein reinrassiges Deutsches Reitpony. Sie wurde am 16. Mai 1993 geboren, Nixe übrigens am 26. Mai 1991, was ich vorher vergessen hatte zu erwähnen. Ich weiß noch heute, wann alle unsere Pferde Geburtstag haben und es tut mir in der Seele weh, dass ich manchen davon an diesem Tag noch nichtmal ein Leckerli geben kann und sie einmal streicheln oder offiziell fotografieren.

Chiwa ist immer noch bei mir. Sie hat oft in Lebensgefahr geschwebt, aber ich war für sie da, so gut ich konnte, auch wenn das nicht immer leicht gewesen ist. Ich kann auf dem zierlichen Pony selbst nicht reiten, aber ist das nicht egal, wenn sie so überleben kann?

LG
Renate

Ursprungslink: http://pferde-tiere-gesundheit-soziales-zeit.blogspot.com/2012/05/pferde-unsere-stolzen-freunde-teil-3.html

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